Unsere kleine Schreibwiki

Da wir in unserem Podcast gern ohne Rücksicht auf Verluste mit Fachjargon um uns schmeißen, haben wir hier mal eine kleine Schreibwiki angelegt, die die meisten Begriffe klären dürfte.
Falls wir noch was vergessen haben, lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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Es gibt 8 Einträge in diesem Verzeichnis, die mit dem Buchstaben A beginnen.
Action
Action beschreibt die Aspekte einer Geschichte, die von intensiver Handlung geprägt sind. Das meint vor allem 'schnelle', gespannte Momente wie Kampfszenen und Verfolgungsjagden. Aber auch andere plotlastige Episoden, in denen die Charaktere z.B. in der Wildnis überleben müssen, sind Teil der Action einer Geschichte.

Akt
Ein Akt ist ein Abschnitt einer Geschichte. Gewöhnlich kann man jede beliebige Geschichte sowohl in drei als auch in fünf oder sieben Akte aufteilen, da sich die einzelnen Modelle der Aktstruktur vor allem in ihrer Detailtiefe und ihrem Schwerpunkt, nicht aber in ihrem fundamentalen Aufbau unterscheiden.

Über eine Geschichte im Sinne von Akten nachzudenken, kann beim Plotten durchaus nützlich sein, da es hilft, Ereignisse auf eine erzählerisch sinnvolle Art zu strukturieren und die Spannung zu modulieren.

* Siehe auch: Drei-Akt-Struktur und Fünf-Akt-Struktur

Aktstruktur
Siehe: Akt, Drei-Akt-Struktur, Fünf-Akt-Struktur

Antagonist
Ein Antagonist ist ein Charakter, eine Institution oder eine Naturgewalt, die entweder grundsätzlich (also Krimineller vs Polizei, Mensch vs Vulkan) oder situativ begründet (der Protagonist will nach Köln reisen, aber sein Freund will lieber nach Düsseldorf) den Plänen des Protagonisten in die Quere kommt und so einen Konflikt auslöst.

* Episoden, in denen wir das Thema besprechen: etc010 Konflikte
* Videos zum Thema: Schreibtips 003: Mindestens 1.000 Antagonisten

Anti-Held
Der Anti-Held ist quasi das boshafte Spiegelbild des Helden, der statt des Weges der Tugend den Weg des Verbrechens und der Zerstörung gewählt hat. Der Bösewicht wird sozusagen zum Hauptcharakter und der Held - wenn es denn einen gibt - zum Antagonisten.
Umgangssprachlich werden auch Helden, die nur oberflächlich 'anti' wirken als Anti-Helden bezeichnet. Ein solcher weichgespülter Anti-Held hat weiterhin ein Herz aus Gold, versteckt es aber aus diversesten Gründen hinter einer unangenehmen Fassade - üblicherweise bestehend aus schlechter Laune, Zynismus und Substanzmissbrauch. Beispiele wären Dr. House und Shrek.
Manchen Anti-Helden wird in der Geschichte die Gelegenheit gegeben, ihre Haltung zumindest weit genug zu ändern, um ein Happy Ending plausibel zu machen.

Archetypen
Ein archetypischer Charakter ist einer, der sich aus ganz klassischen Merkmalen zusammensetzt. Ein archetypischer Held ist einer, der voller Tugend, Stärke und Klugheit der Gefahr entgegentritt, und höchstens mal einen Fehler macht, damit es Drama gibt und er seine Heldenreise ordnungsgemäß absolvieren kann. Dann gibt es den Bösewicht, die zu rettende Prinzessin, den weisen Lehrmeister, die Hure mit dem Herz aus Gold, den verruchten Lebemann - halt all die Leute, die man schon tausendmal gelesen hat und im Grunde nicht nochmal braucht
Archetypen können vom Publikum auch wie alte Freunde erlebt werden, die man gern bei einem mehr oder weniger wohl bekannten Abenteuer begleitet. Gleichzeitig kann es spannend und interessant sein, mit den Erwartungen zu spielen, die ein Archetyp weckt. Vorurteile können hinterfragt, Rollenklischees aufgebrochen und neue Bedeutungsebenen hinzugefügt werden.
Besonders schön machen das zum Beispiel Terry Pratchett und Douglas Adams - und es hat natürlich eine inhärente Komik, Erwartungen zu unterwandern, aber das bedeutet nicht, dass ein gut verformter, kritischer Archetyp keinen Platz in ernsthaften Geschichten hat.
Archetypen können auch als Abkürzung verwendet werden. Ist klar, dass ein Charakter dieser oder jener Archetyp ist, braucht man ihn nicht mehr im Detail zu erklären, da man die Kenntnis über seine Funktionsweise bei einem Publikum über einem gewissen Alter voraussetzen kann.

Auktoriale Erzählperspektive
Siehe: Auktoriale Perspektive

Auktoriale Perspektive
Die auktoriale Perspektive ist im Grunde eine Art des personalen Erzählers, bei der der Geschichte jedoch eine kommentierende - manchmal auch allwissende - Entität hinzugefügt wird. Eine auktoriale Geschichte liest sich oft, als würde sie einem gerade von jemandem erzählt, der nicht nur widergibt, was die Charaktere tun, denken und fühlen, sondern der auch eine mehr oder weniger kritische Meinung zum Geschehen hat, mit der er einfach nicht hinterm Berg halten kann.
Auktorial ist aber nicht nur ein direkt kommentierender Erzähler mit einer moralischen Mission. Jedes mal, wenn in der personalen Perspektive über das Wissen und Verständnis des jeweiligen Perspektivcharakters hinausgegangen oder sein Denken, Fühlen und Tun mit einer Sprache beschrieben werden, deren Färbung nicht seinem emotionalen Zustand, seinen moralischen Vorstellungen, seinen Absichten... entspricht, begibt man sich in auktoriales Gebiet.
Die Auktoriale Perspektive kann ein gutes Mittel sein, um etwas witziges zu schreiben (Terry Pratchett und Douglas Adams fallen als Beispiele ein), oder um eine Geschichte altertümlich wirken zu lassen. Dabei muss man sich aber bewusst sein, dass Auktorialität notwendigerweise eine Distanz zwischen den Charakteren und dem Publikum aufbaut, weil immerzu über die Charaktere gesprochen wird, anstatt aus ihnen.

*Episoden zum Thema: etc007: Erzähl-Zeit und Perspektive
*Videos zum Thema: Schreibtips 017: Nähe/Distanz zu den Charakteren