Unsere kleine Schreibwiki

Da wir in unserem Podcast gern ohne Rücksicht auf Verluste mit Fachjargon um uns schmeißen, haben wir hier mal eine kleine Schreibwiki angelegt, die die meisten Begriffe klären dürfte.
Falls wir noch was vergessen haben, lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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Es gibt 6 Einträge in diesem Verzeichnis, die mit dem Buchstaben F beginnen.
Fanfiction
Eine Fanfic ist eine Geschichte, die meist ein Fan ausgehend von der Begeisterung für ein bestimmtes erzählerisches Universum schreibt. Dabei können sowohl im Original enthaltene Charaktere, Beziehungen, Konflikte und Ereignisse nacherzählt, umgedeutet oder ausgebaut werden, öfter werden aber darüber hinaus neue Charas, Beziehungen, Konflikte und Ereignisse hinzugefügt, die mit den 'Regeln' des Originals spielen, um seinen Reiz zu reproduzieren, Dinge zu hinterfragen oder Fehlendes zu ergänzen.
Fanfiction ist ein ideales Einstiegstor zum Schreiben, vor allem für junge Menschen, da die Begeisterung hilft, motiviert zu bleiben, und das Original Orientierung und Blaupausen bietet, so dass man nicht von null auf hundert eine komplette Welt erschaffen muss.
Fanfiction wird einerseits 'frivol' zum Ausleben der Begeisterung für einen Aspekt des Originals verwendet, aber auch kritisch, um fehlende oder unterdrückerische Repräsentation von gesellschaftlichen Gruppen zu korrigieren (z.B. Lesben, Schwule, Bisexuelle und transgender Personen, Behinderte, Frauen, Nicht-Weiße, religiöse Minderheiten).
Beide Aspekte - Einstiegsdroge und Transformation eines Kulturgutes - machen Fanfiction zu einem wertvollen Aspekt der Schreibkultur.

Berühmte Fanfiction: Jane Eyre (Jane Austen Fanfic), Moby Dick (Seemannsgarn Fanfic), Shaun of the Dead (Romero Fanfic), fast alle Disney-Filme, fast alle Buchverfilmungen...

Flashback
Siehe: Rückblick

Flugbahn
Ein Charakter mit einer klaren Motivation und klaren Zielen folgt einem klaren Weg durch die Geschichte. Auch die Umwege und Sackgassen, die er erkundet - die Fehler die er macht, die Reinfälle, die er bewältigen muss - sind dadurch gekennzeichnet, dass er einer definierten Motivation folgend in sie hinein geht. Die Selbsterkenntnisse und Entwicklungen, die der Charakter durchläuft, können seine Motive und Ziele verändern oder sogar ins Gegenteil verkehren, und zwischendurch kann er sich durchaus orientierungslos fühlen und auf der Stelle treten, aber letztendlich bleibt er in Bewegung und folgt der Gravitation seiner Bedürfnisse und Werte.
Dadurch wird seine Bewegung durch die Story sozusagen zu einer stabilen Flugbahn.
Fehlt einem Charakter eine solche Flugbahn, fühlt sich sein Verhalten sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen unangenehm beliebig, flatterhaft, unkoordiniert und bedeutungsarm an.

Formulierungswolf
Der Formulierungswolf ist eine Situation, in der sich ein Plotbunny (siehe Plotbunny) einfach nicht formulieren lässt und durch den resultierenden Frust jeden Reiz verliert. Ein Formulierungswolf kann ein Zeichen dafür sein, dass mit dem Plotbunny etwas nicht stimmt, da es dieses Raubtier bevorzugt auf kranke und schwache Beute abgesehen hat. Oft lässt sich ein Bunny retten, indem man es erzählerisch auf Herz und Nieren prüft, doch manchmal hilft auch dies nicht und man muss Kill Your Darlings praktizieren (siehe Kill Your Darlings)

Freiheitsgrade
Ein Begriff aus der Physik, der sich in der Charakterführung anwenden lässt. Die Anzahl der Freiheitsgrade eines Systems sagt aus, wie viele Möglichkeiten es hat, aus einem höher energetischen in einen niedriger energetischen Zustand zu gelangen. Liegt z.B. eine Kugel auf der Unterseite einer Schüssel, kann sie in viele verschiedene Richtungen verschieden weit davonrollen; liegt sie hingegen in der Schüssel, ist ihre Bewegungsfreiheit durch deren Wände eingeschränkt.
Das gleiche gilt für Charaktere. In jeder gegebenen Situation haben die Charaktere unterschiedlich viele Möglichkeiten, auf ein Ereignis zu reagieren. Ist z.B. jemand stinksauer und wird er auch noch auf ein Reizthema angesprochen, kann er fast nur aggressiv reagieren. Jemand, der gerade ruhig und bedacht ist, kann im Gegenzug auf viele verschiedene Arten reagieren. So kann man z.B. einen Konflikt deeskalieren, indem man den ruhigen Charakter anders reagieren lässt.

* Episoden zum Thema: etc011: Charakterführung

Fünf-Akt-Struktur
Aktstruktur, die von Aristoteles für den Handlungsverlauf des Klassischen Dramas definiert wurde und den meisten Theaterstücken bis zur Moderne zu Grunde liegt. (Vergleiche auch 3-Akt-Struktur). Akt I, III und V unterscheiden sich dabei nicht wesentlich von den im 3-Akt-Modell verwendeten Exposition-Confrontation-Resolution Begriffen, allerdings werden in Akt II und IV verzögernde Elemente in den Spannungsbogen eingebaut, was der Geschichte ein wenig mehr "Raum" gibt sich zu entwickeln. Dies sollte aber nicht überstrapaziert werden, oder konstruiert wirken! (siehe auch Wheel Spinning und Pünktliche Zufälle) Akt II "Steigende Spannung" baut den Konflikt bis zum Wendepunkt in Akt III auf, während Akt IV meist noch ein Retardierendes Moment enthält (siehe auch Retardierendes Moment), das die Auflösung der Spannung verzögert.