Unsere kleine Schreibwiki

Da wir in unserem Podcast gern ohne Rücksicht auf Verluste mit Fachjargon um uns schmeißen, haben wir hier mal eine kleine Schreibwiki angelegt, die die meisten Begriffe klären dürfte.
Falls wir noch was vergessen haben, lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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Es gibt 7 Einträge in diesem Verzeichnis, die mit dem Buchstaben S beginnen.
Sanity Points
Aus dem Rollenspiel entlehnter Begriff, der die mentale Balance eines Charakters (oder Autors;-) beschreibt. Ein Polster von Sanity Points bedeutet dabei Ausgeglichenheit und die Möglichkeit mit Konflikten reflektiert und rational umzugehen. Je weiter das Polster der Sanity Points sinkt, desto mehr bewegt sich die Figur in Richtung eines mentalen, emotionalen oder psychologischen Zusammenbruchs.
Die psychische Verfassung seiner Charaktere im Sinne von Sanity Points zu betrachten, kann bei der Charakterführung helfen.

Sensory input
Aus dem Englischen = Sinneswahrnehmungen. Bei Beschreibungen von Örtlichkeit oder Atmosphäre wird dieser Begriff benutzt, um darauf hinzuweisen, dass nicht nur interessant ist, was der PoV Charakter (siehe Hauptcharakter) sieht, sondern auch was er evt. riecht, fühlt, hört oder empfindet.
Sensory input hilft dabei, die Leserschaft in die Geschichte zu ziehen und die Szenerie lebendiger erscheinen zu lassen.

Set-Up
Die Einführung eines Gegenstands, einer "Regel", eines Charakterzuges oder einer Begebenheit, die später für die Handlung wichtig wird. Im Filmgenre gilt hier die "Rule of 3" (Dreier Regel) aus Set-Up (erste Erwähnung von X), Reminder (zweite Erwähnung von X) und Pay-Off (Punkt an dem X für die Fortführung der Geschichte wichtig wird).
Für Set-Up als Beschreibung von Akt I, siehe auch Exposition

Stakes
Aus dem Englischen = Einsatz, wie in Wetteinsatz.
High Stakes beschreibt also eine Situation, in der es um viel geht, die Charaktere können viel gewinnen oder verlieren - den Kampf um ihr Leben, eine wichtige Beziehung etc.
Low Stakes, also eine Risikoarme Umgebung im Gegensatz ist weniger dramatisch und die Charaktere haben nicht so viel zu befürchten.
In den meisten Geschichten geht man von einer steigenden Risikokurve aus (rising stakes), weil es dem Spannungsaufbau dient, aber es ist nicht zwingend notwendig sich an diesem Modell zu orientieren.

Story
Die Story ist das, worum es in einer Geschichte eigentlich geht. Die hintergründige, sich langsam entwickelnde und entfaltende, emotional geladene Bedeutung der Ereignisse und des Verhaltens der Charaktere.
Die Story von Fight Club ist, dass sich ein Typ mit Schlafmangel durch die enttäuschten Erwartungen kämpft, die eine männerdominierte, konsumversessene Welt in ihm und anderen jungen Männern weckt. Die Story von Herr der Ringe ist - unter anderem-, dass ein junger Mann und sein bester Freund zusammen eine unüberwindlich scheinende Aufgabe lösen und ein anderer, nicht ganz so junger Mann sein Schicksal in die Hand nimmt. Die Story von Das Phantom der Oper ist, dass eine junge Frau einem rettungslos von ihr besessenen Musiker emotional nahe genug kommt, um ihm die Erkenntnis abzuringen, dass Liebe bedeutet, das Glück des Geliebten als eigenes Glück zu erleben.
Oft wird die Story dem Plot geopfert, indem künstlich Plot-Konflikte - wie Eifersucht ex machina, Missverständnisse oder Zeitdruck - aus dem Hut gezaubert werden, weil die Autorenschaft glaubt, dass es schwieriger und weniger aufregend ist, mit Story-Konflikten zu arbeiten. Das ist ein Irrtum.
Story-Konflikte, die das tiefliegende, komplexe Innenleben und die Beziehungen der Charaktere involvieren, sind wesentlich nachhaltigere Mittel, um Spannung und Interesse zu erzeugen, und sie können ganz einfach eine zusätzliche Ebene aus Ereignissen, Konflikten und Komplikationen erzeugen, die den oberflächlichen Plot fördern.
Siehe auch: Plot, ex machina

Sub-Plot
Der Haupthandlung untergeordneter Handlungsstrang, der ebenso entweder Charakter- oder Plotgetrieben sein kann.
Charaktergetriebene Subplots bauen dabei meist die Beziehungen zwischen Figuren aus oder treiben Neben-Konflikte voran, während z.B. eine McGuffin-Jagdt ein typischer Plotgetriebener Sub-Plot ist - die Helden müssen erst Artefakte A, B & C finden, um sich zur Endschlacht rüsten zu können.
Nebenhandlungsstränge können natürlich auch mehrere "Aufgaben" haben, eine "reine Form" des Plot- vs Charaktergetriebenen Schreibens ist auch hier selten - so können während einer McGuffin Jagdt auch typische Charakterentwicklungen eingebaut werden, oder persönliche Nebenkonflikte die Konstellation der Endschlacht tiefgreifend verändern.
Subplots sollen nicht in erster Linie die Seitenzahl aufpolstern, sondern vor allem der Geschichte mehr Substanz geben.

Szenen-Index
Eine Auflistung der Szenen einer Geschichte zur besseren Übersicht. Die meisten Planenden Autoren (siehe Planner vs Pantser) legen früher oder später so eine Liste mit variierenden Graden von Details an, um die Übersicht über die Chronologie der Ereignisse zu behalten. Manche Schreibsoftware kann diese Aufgabe auch übernehmen, bzw. vereinfachen.